Zoos denken über drastische Maßnahmen nach: Haben Liste, welche Tiere wir schlachten müssen


Meldung vom: 2020-04-14 09:08:26Aufrufe: 481




Normalerweise sind Zoos in Deutschland rund um Ostern gut besucht. Derzeit leiden aber auch sie unter der Corona-Krise. Nur dank Spenden halten sich viele Tierparks über Wasser - einige haben bereits drastische Notfall-Pläne.

"Ostern ist unser wichtigstes Wochenende im Jahr", sagte Verena Kaspari, Direktorin des Tierparks Neumünster, jüngst dem "Redaktionsnetzwerk Deutschland". Doch dieses Jahr sind die Zoos wegen der Corona-Pandemie geschlossen, die Einnahmen bleiben aus.

Der Tierpark Neumünster (rund 700 Tiere) beginnt wegen der Krise bereits, drastische Maßnahmen zu planen. "Wir haben eine Liste erstellt, welche Tiere wir als Erstes schlachten müssen", erzählt Kaspari der "Welt".

Im schlimmsten Fall müssten einige Zootiere dann verfüttert werden. "Das ist nicht schön, aber es könnte so kommen", so Kaspari weiter. "Und dann stellt sich immer noch die Frage, was ich mit den reinen Fischfressern mache, den Seehunden und Pinguinen. Im schlimmsten Fall werde ich Tiere euthanasieren müssen, ehe ich sie verhungern lasse." Laut Kaspari haben viele Zoos ähnliche Pläne - auch wenn nicht gerne darüber gesprochen wird.

Deshalb plädierte der Verband der Zoologischen Gärten für ein Soforthilfe-Programm in Höhe von 100 Millionen Euro. "Anders als andere Einrichtungen können wir unseren Betrieb nicht einfach runterfahren – unsere Tiere müssen ja weiterhin gefüttert und gepflegt werden", sagte der Verbandspräsident und Leipziger Zoodirektor Jörg Junhold. Ein einzelner großer Zoo müsse aktuell einen wöchentlichen Umsatzverlust von etwa einer halben Million Euro verkraften.

Ein weiteres Problem wird sich entwickeln, sollten tatsächlich Zoos finanziell bedingt schließen müssen oder eine Versorgung der Tiere nicht mehr gewährleistet sein: Nicht jedes Tier könnte einfach an einen anderen Zoo abgegeben werden, es gibt strenge, internationale Regeln. Sebastian Scholze, Sprecher des Zoo-Verbandes, begründet das einerseits mit den ohnehin - auch für Tiertransporte - geschlossene Grenzen, andererseits mit den finanziellen Möglichkeiten: "Wer kann sich in so einer Situation noch 30 zusätzliche Esser leisten?", wird er von der "Welt" zitiert.

Ein derartiges Problem hat etwa auch der Zoo Neumünster. Mit knapp 3,60 Metern Länge ist Eisbär Vitus der größte Eisbär Deutschlands, erklärt Direktorin Kaspari der "Welt". Sollte der Zoo schließen müssen, wüsste sie nicht, wohin mit Vitus: "Es gibt derzeit keinen Tierpark in Europa, der ihn nehmen könnte."

Auch der Zoo Schwerin steht vor einem ähnlichen Problem: "Eine Zoo-Insolvenz ist für uns alle ein neues Thema", sagte Direktor Tim Schikora der "Welt". "Wie löse ich in einem Monat einen Tierpark auf? Dafür existieren keine Pläne. Vor allem große Exoten sind ein Problem. Unsere Tiger und Nashörner - die könnte ich kurzfristig nirgendwo unterbringen."


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Quelle: www.focus.de