Bis zu 45 Euro zusätzlich: Hartz-IV-Sätze steigen 2021 höher als bislang bekannt


Die Erhöhung der Hartz-IV-Sätze zum 1. Januar 2021 fällt stärker aus als bislang bekannt: Allein ... tehende Erwachsene bekommen künftig 446 Euro monatlich, 14 Euro mehr als bisher. Bei Kindern und Jugendlichen steigen die Sätze fast durchgehend sogar noch stärker. Das berichtet das Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND/Dienstag) unter Berufung auf aktuelle Berechnungen des Bundesarbeitsministeriums. Demnach soll der Satz für Jugendliche zwischen 14 und 17 Jahren sogar um 45 Euro auf 373 Euro steigen, für Kinder bis fünf Jahre gebe es künftig 283 statt bislang 250 Euro.

Grund für die Anhebung sind dem Bericht zufolge die gestiegenen Preise und Löhne. Die Sätze werden alle fünf Jahre neu festgesetzt, wenn eine neue sogenannte Einkommens- und Verbrauchsstichprobe (EVS) vorliegt. Außerdem werden sie jährlich entlang der Lohn- und Preisentwicklung fortgeschrieben.

Diese stand aber noch aus, als das Bundeskabinett die Erhöhung der Hartz-IV-Sätze Mitte August auf den Weg gebracht hat. Aus diesem Grund hieß es vor drei Wochen noch, alleinstehende Hartz-IV-Empfänger sollten künftig „mindestens“ sieben Euro mehr und damit 439 Euro im Monat bekommen.

Nun fällt die Erhöhung nach RND-Informationen deutlich kräftiger aus. Demnach soll der Regelsatz für Ehegatten und Partner vom nächsten Jahr an 401 Euro betragen. Für Erwachsene unter 25, die noch nicht im eigenen Haushalt leben, gebe es 357 Euro. Bundestag und Bundesrat müssen der Erhöhung noch zustimmen.

Die Berechnungen der Regelsätze für den Zeitraum ab 1. Januar 2021 zeigten: Alle betroffenen Erwachsenen erhielten eine Leistungssteigerung um gut drei Prozent, heißt es in dem Bericht. Bei einem Teil der Kinder und Jugendlichen seien es mehr als 13 Prozent.

Einzige Ausnahme seien die Kinder im Alter von 6 bis 13 Jahren. Für sie gebe es nur einen Euro mehr, also künftig 309 statt 308 Euro. Für diese Gruppe waren die Sätze in der Vergangenheit stärker erhöht worden, nämlich um 21 Euro von 2016 auf 2017.

„Die Sinnhaftigkeit der extremen Unterschiede bei der Anpassung der Sätze für Kinder und Jugendliche ist nicht zu erklären“, kritisierte allerdings Anja Piel, DGB-Vorstandsmitglied, am Dienstag in Berlin. „Niemand, der Kinder hat, kann nachvollziehen, warum die notwendigen Ausgaben für ein Vorschulkind um 33 Euro gestiegen, die Kosten für ein Kind ab sechs Jahren aber nahezu unverändert geblieben sein sollen.“

Piel zufolge belegten die „unerklärlichen Unterschiede die schlechte Qualität der zugrunde liegenden Statistik“. Weil zu wenig Fälle betrachtet würden, „schlagen hier Zufälle durch, die überhaupt nicht aussagekräftig sind“, so Piel weiter. „So beruht die Berechnung des Regelsatzes für Jugendliche beispielsweise für die Kosten eines Fahrrads auf den Angaben von nur 14 Haushalten.“

Nach Angaben der Bundesagentur für Arbeit beziehen rund 5,7 Millionen Menschen in Deutschland Hartz IV. Die Bezeichnung geht zurück auf Sozialreformen unter Kanzler Gerhard Schröder (SPD), die auf Vorschlägen des früheren VW-Managers Peter Hartz basierten.



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Veröffentlicht: 2020-09-10 08:15:46Aufrufe:


Quelle: www.focus.de
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