Kaum Verkehr, trotzdem Stickoxid-Spitzenwerte: Corona entlarvt Fahrverbote als sinnlos


Was viele Experten, darunter die Wissenschaftsakademie Leopoldina, schon angedeutet hatten, hat der ... Lockdown" quasi als Zufallsbefund bewiesen: die Behauptungen der Deutschen Umwelthilfe, Diesel-Verbote seien zur Luftreinhaltung noch nötig, sind widerlegt.

Die Corona-Krise gibt uns die Möglichkeit zu einer bemerkenswerten Beobachtung - und entlarvt die Diesel-Fahrverbote als beispiellose Fehleinschätzung von Behörden und Gerichten, die zig tausenden Autofahrern unnötigen finanziellen Schaden verursacht hat. Wie ist die Sachlage?

Wirtschaftlicher und gesellschaftlicher Stillstand haben im März 2020 die werktäglichen Verkehrsspitzen nahezu halbiert, so auch in Stuttgart, wo Verkehrsminister Winfried Hermann seit 2019 ein Fahrverbot für alle Diesel-Pkw unterhalb Euro 5 Norm über eine Fläche von ungefähr 200 Quadratkilometer verordnet hat, über Bereiche, die mit den erhöhten Stickstoffdioxid (NO2)-Konzentrationen der B14 (Am Neckartor) wenig zu tun haben.

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Verkehrsmessstellen noch deutlich über 50 ?g/m³. Die Deutsche Umwelthilfe (DUH) hat auf ein zonales Fahrverbot auch für Euro 5 Diesel gedrängt. Die letzte Fortschreibung des Stuttgarter Luftreinhalteplans sah ein solches Fahrverbot ab Juli 2020 für eine etwas verkleinerte Zone vor, für den Fall, dass der 3-Monatswert im April nicht prognostisch ergeben sollte, dass der Grenzwert im Jahresmittel 2020 eingehalten wird.

Grüner wird's nicht: Stickoxid-Messstation am Hardenbergplatz in Berlin. Ein Umweltrechts-Experte geht davon aus, dass die Stationen falsch aufgestellt wurden - und deshhalb viel zu hohe Messwerte liefern privat Grüner wird's nicht: Stickoxid-Messstation am Hardenbergplatz in Berlin. Ein Umweltrechts-Experte geht davon aus, dass die Stationen falsch aufgestellt wurden - und deshalb zu hohe Messwerte liefern Nun lagen die Monatswerte der Messstation Am Neckartor bereits im Februar und März 2020 unter dem Grenzwert von 40 ?g/m³, auch als es noch keinen "Lockdown" gab. Im gesamten ersten Quartal wird es eine ziemlich genaue Punktlandung auf 40 ?g/m³geben. Schon baut die Umwelthilfe vor. Der wirtschaftliche Stillstand und das günstige Wetter würden ja nicht ewig anhalten.

So einfach ist das aber nicht. Es gibt zwei Faktoren, die auch ohne Corona-Krise eine große Rolle spielen.

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Der eine Faktor ist das Wetter. Äußerungen, die DUH-Chef Jürgen Resch in den Verhandlungen vor dem Verwaltungsgerichtshof Mannheim (Oktober 2019) und vor dem Bundesverwaltungsgericht Leipzig (Februar 2020) tätigte, zeigen, dass die DUH auf das Wetter setzte, in erster Linie die Inversionswetterlagen im Winter mit den vielen Hausheizungen der Stuttgarter. In Leipzig, als von einem wirtschaftlichen Stillstand noch keine Rede war, muss ihm geschwant haben, dass ihm die Felle davonschwimmen könnten. Das erste Quartal 2020 war im Gegensatz zu 2019 sehr windig. Gut für die Durchlüftung, schlecht für die DUH. Im Februar lagen die NO2-Werte bei 36 ?g/m³.

Der andere Faktor ist die Einrichtung einer Busspur vor der Messstelle Am Neckartor seit April 2019. Damit wurde die viel kritisierte Position der Messstelle entschärft, der Abstand zum Verkehr vergrößert. Das Streckenfahrverbot für Euro 5 Diesel auf der B14 ab 2020 mag einen weiteren Beitrag geleistet haben.

Umso mehr fallen deshalb jetzt die teilweise hohen NO2-Spitzen oft mitten in der Nacht auf, nicht nur an Verkehrsmessstellen, sondern im sogenannten städtischen Hintergrund. Ist der Diesel-Pkw also tatsächlich der Hauptverursacher der Grenzwertüberschreitungen?



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Veröffentlicht: 2020-08-02 07:22:41Aufrufe:


Quelle: www.focus.de
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