Corona: Wochenmarkt-Wahnsinn und Menschenmassen



Dicht an dicht drängen sich die Menschen vor den Verkaufsständen, schlendern mit vollen Einkaufstüten eng aneinander vorbei, teils mit Gehstöcken und Kinderwagen. Trotz der verschärften Corona-Regeln dürfen in Sachsen seit dem 1. April wieder Wochenmärkte öffnen – und werden zum riesigen Pandemie-Problem!

In der Leipziger Innenstadt waren am Freitag dutzende Besucher auf dem Markt zu sehen, die eindeutig nicht den vorgeschriebenen Mindestabstand von 1,5 Metern einhielten. Darunter viele ältere Personen, die wissentlich zur Risikogruppe gehören.

„Es war schon gut was los, liegt vielleicht auch an Ostern“, erzählt eine Eier-Verkäuferin. Auch ihr Stand war am Nachmittag – wie viele andere – leergekauft. „Wo mehrere Verkäufer gleichzeitig ihre Waren an den Marktgänger bringen wollen, ist es meist unübersichtlicher, da wird es eng“, erzählt eine andere Verkäuferin.

Ebert (59) erklärt: „Gemeinsam mit dem Ordnungsamt haben wir die Situation am Freitag begutachtet. Die Leipziger versuchen, sich alle an die Bestimmungen zu halten, dadurch entstehen an den Ständen zum Teil lange Schlangen, weil die Leute den Abstand wahren wollen.“

Optimal sahen die Szenen in der Leipziger Innenstadt längst nicht aus. Am Freitag waren etwa 70 Händler dort vertreten. Der Markt sei stark gefragt, hieß es von der Stadt.

Obwohl vorab bereits die Gangbreiten verdoppelt und die Marktfläche verbreitert wurden, werde man nochmals nachbessern: „Wir wollen die Fläche noch mehr nutzen, den Markt weiter entzerren und dafür gegebenenfalls auf die Grimmaische Straße und das Salzgäßchen erweitern“, sagte Ebert.

Vergangenen Dienstag wurde der Wochenmarkt in Leipzig geschlossen, zuvor war er eigentlich bereits durch die Allgemeinverfügung am 22. März verboten worden. Seit 1. April dürfen die Märkte nun offiziell wieder Besucher anlocken, während alle anderen Geschäfte drumherum geschlossen bleiben müssen.

Gastronom Sebastian Seifert (34), u.a. Chef der Clubs L1 und Elsterartig in Leipzig, fordert die Stadt nun zum schnellen Eingreifen auf.

„Was ich heute in der City gesehen habe, macht mich fassungslos und wütend zugleich! Das ist von den Behörden völlig verantwortungslos, gerade den vielen älteren Menschen gegenüber. Wie kann Leipzig das nur zulassen?“

Seifert: „Die Stadt fordert von uns Bürgern, wir sollen uns an die Regeln halten – lässt uns sogar von den Grünflächen aus den Parks schmeißen – und macht jetzt auf Kosten unser aller Gesundheit dort Geld! Das ist ein Schlag ins Gesicht für alle Läden, die gerade um ihre Existenz kämpfen. Burkhard Jung sollte die Einnahmen der Standmiete den Gastronomen und Friseuren spenden und diesen Irrsinn sofort stoppen!“

Die Leipziger Marktbesucher pfeifen auf die Abstandsregel, schlendern gemütlich über den Wochenmark Die Leipziger Marktbesucher pfeifen auf die Abstandsregel, schlendern gemütlich über den WochenmarktFoto: Alexander Schumann OB Jung verspricht Zugangsbeschränkung

Nach der Kritik am Leipziger Wochenmarkt reagierte am Freitagabend auch Oberbürgermeister Burkhard Jung (62, SPD).

„Versprochen! So können wir den Wochenmarkt in Leipzig nicht durchführen. Zu dicht gedrängt waren die Menschen. Wir werden die Zugänge zum Wochenmarkt ändern, ganz ähnlich zum Einkauf im Supermarkt mit Zugangsbeschränkungen“, teilte er via Facebook mit.


Veröffentlicht: 2020-04-04 14:54:27Aufrufe: 288




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Quelle: www.bild.de
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