King's College sieht Hinweise War die Corona-Pandemie ein Laborunfall?


Hat sich Sars-CoV-2 gar nicht von einem Wildtiermarkt aus verbreitet? "Patient Null", der erste offi ... iell Infizierte, könnte Mitarbeiter in einem Virenforschungslabor in Wuhan sein und das Virus versehentlich in die Welt gesetzt haben. Auch britische Forscher sehen Hinweise auf diesen Verdacht.

Vertuschungsvorwürfe auf der einen, Unschuldsbeteuerungen auf der anderen Seite: Die US-Geheimdienste gehen laut Medienberichten dem Verdacht nach, dass das Virus nicht, wie von den chinesischen Behörden angegeben, von einem Wildtiermarkt in Wuhan auf den Menschen überging. Stattdessen könnte es aus einem außerhalb der Millionen-Metropole gelegenen Bio-Labor stammen.

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Das Wuhan Institut für Virologie beheimatet die größte Virusbank Asiens: das chinesische Zentrum für die Sammlung von Viruskulturen. Mehr als 1500 verschiedene Erregerstämme sind laut der Website des Instituts dort vorhanden. Das 2015 vollendete und 2018 eröffnete Zentrum ist das erste Bioforschungslabor der höchsten Sicherheitsstufe in ganz Asien. In solchen Laboren dürfen hochansteckende Krankheitserreger der Klasse vier - etwa Ebola-Viren - aufbewahrt werden.
"Hören Sie auf die offiziellen Ansagen"
2b276c2a0cb07a176435c1d269b1848d.jpg Ausgangspunkt der Corona-Pandemie Wuhan erstrahlt nach Lockdown-Ende Derzeit hängt ein großes Banner an dem Gebäude, das inmitten eines gewaltigen Komplexes außerhalb von Wuhan liegt. "Starke Prävention und Kontrolle. Keine Panik. Hören Sie auf die offiziellen Ansagen. Glauben Sie an die Wissenschaft. Verbreiten Sie keine Gerüchte." Steht laut AFP-Reportern dort geschrieben.

US-Sicherheitskreise befürchten, dass Sars-CoV-2 aus dem 3000 Quadratmeter großen Forschungslabor stammt und von dort versehentlich in die Außenwelt getragen worden sein könnte. Das melden die "Washington Post" und der US-Sender "Fox News" und beriefen sich auf anonyme Quellen. Laut "Washington Post" wiesen US-Diplomaten in Peking das US-Außenministerium auf unzureichende Sicherheitsstandards in dem Labor bei der Erforschung von Sars-ähnlichen Coronaviren aus Fledermäusen hin.

Die USA wüssten, dass es in dem Labor "hochansteckende Stoffe" gab, sagte US-Außenminister Mike Pompeo "Fox News". Laut dem Sender besteht der Verdacht, dass der Patient Null in China ein Mitarbeiter des Forschungslabors sein könnte, der sich bei der Arbeit versehentlich mit dem Virus infizierte und es in die Außenwelt getragen haben könnte. Auf den Verdacht gegen das Forschungslabor angesprochen, sagte US-Präsident Donald Trump, diese "Geschichte" sei "immer häufiger" zu hören. Er kündigte eine "sehr gründliche Untersuchung" der USA an.
Forscher: Patient Null hatte keine Verbindung zum Wildtiermarkt
Forscher gehen davon aus, dass das neuartige Coronavirus von Fledermäusen stammt und sich über eine Zwischen-Spezies auf den Menschen übertragen hat. Demnach könnte es sich bei der Zwischenspezies um das Schuppentier handeln, das auf chinesischen Wildtiermärkten illegal verkauft wird.
Virus tödlicher als vermutet
Wuhan korrigiert Zahl seiner Covid-19-Opfer Bereits im Januar veröffentlichten chinesische Wissenschaftler jedoch eine Studie, derzufolge es zwischen dem ersten bekannten Coronavirus-Patienten aus Wuhan und dem berüchtigten Wildtiermarkt der Stadt keine Verbindung gibt.

Die stellvertretende Direktorin des Wuhaner Virus-Forschungslabors, Shi Zhengli, gehörte zu den Autorinnen der chinesischen Studie, wonach Sars-CoV-2 aus Fledermäusen stammt. In einem Interview mit dem US-Wissenschaftsmagazin "Scientific American" sagte Shi, das von ihren Forschern entschlüsselte Genom von Sars-Cov-2 sei nicht identisch mit einem anderen in dem Labor vorhandenen Krankheitserreger.
King's College: Hinweise auf möglichen Laborunfall
Die Biosicherheitswissenschaftlerin Filippa Lentzos vom Londoner King's College sagte, der Ursprungsort der Coronavirus-Pandemie sei nach wie vor unbekannt. Es gebe Hinweise, die "auf einen möglichen Laborunfall" hindeuten könnten, sagte Lentzos weiter. Bewiesen sei dies jedoch nicht.

Das Wuhan-Institut für Virologie wollte sich am Freitag auf Nachfrage nicht zu den Vorwürfen äußern. Im Februar hatte es die bereits damals kursierenden Gerüchte jedoch zurückgewiesen. Demnach erhielten die Laboranten in Wuhan am 30. Dezember erstmals Proben des noch unbekannten Virus und entschlüsselten sein Genom am 2. Januar. Die Informationen über den Krankheitserreger seien dann am 11. Januar der Weltgesundheitsorganisation (WHO) übergeben worden.

Der Sprecher des chinesischen Außenministeriums, Zhao Lijian, wies die Vorwürfe gegen das Labor am Freitag zurück. Jeder "scharfsinnige" Beobachter werde erkennen, dass solche Vorwürfe einzig dem Ziel dienten, "Verwirrung zu stiften, die Öffentlichkeit abzulenken und sich vor der eigenen Verantwortung zu drücken". Zhao hatte in den vergangenen Wochen mehrfach Verschwörungstheorien verbreitet, wonach die US-Armee das Virus nach China gebracht haben könnte.
China immer stärker unter Druck
Die Regierung in Peking bestreitet auch, das Ausmaß der Epidemie im eigenen Land verheimlicht zu haben. "Es hat nie eine Vertuschung gegeben, und wir werden nie eine Vertuschung zulassen", versicherte Lijian angesichts der Vorwürfe mehrerer westlicher Staaten, die China immer stärker unter Druck setzen. Zugleich korrigierten die Behörden allerdings die Zahl der Corona-Toten in der zentralchinesischen Stadt Wuhan deutlich nach oben.

Allen voran die US-Regierung hatte Peking vorgeworfen, zu spät über die Verbreitung des neuen Erregers informiert zu haben. Massive Kritik am Umgang mit der Epidemie folgte aus Frankreich und Großbritannien, die das Krisenmanagement der chinesischen Regierung in Frage stellten.



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Veröffentlicht: 2020-04-19 17:04:19Aufrufe:


Quelle: www.n-tv.de
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